Ängstlichkeit durch Unsicherheit

Cedric

Higgins, ein mittlerweile 3-jähriger Bullterrier-Mix, kam vermutlich aus dem Ostblock und wurde als junger Hund auf einem belgischen Hundemarkt verkauft. Da die neuen Besitzer mit dem Hund völlig überfordert waren und eine Beschlagnahmung drohte, wurde er von "Bullterrier in Not" aufgenommen und in eine Pflegefamilie gebracht. Higgins hatte Glück und dürfte dort für immer bleiben.

Der schlecht sozialisierte Hund zeigte große Angst vor Menschen und extremes Vermeidungsverhalten, indem er sich vor ihnen in hohem Gras versteckte. Auch ein Beziehungsaufbau zu seiner neuen Besitzerin gestaltete sich schwierig, da sie von ihm ignoriert wurde.

Durch die fehlenden Umwelterfahrungen reagierte Higgins in neuen Situationen sehr extrem. Er hatte regelrecht Panikattacken und klapperte mit den Zähnen, wenn er keine Möglichkeit zur Flucht hatte. Hörte er beim Spazierengehen irgendwelche Geräusche, die angstauslösend waren, lief er zurück zum Auto.

Da Menschen für Higgins suspekt waren, orientierte er sich an anderen Hunden, v.a. an einer Bullterrierhündin, die im selben Haus wohnt. Mit ihr zusammen wurden nun andere Hunde beim Spaziergang angepöbelt oder aber das eigene Grundstück lautstark kontrolliert. Auch wurde Besuch belästigt, so dass Higgins weggesperrt werden musste.

Zu Beginn der Verhaltenstherapie wurde Higgins Beziehung zu seiner Besitzerin verbessert und klar geregelt. Er musste sich sein Futter "verdienen". Tägliche Gehorsamkeitsübungen und klare Verhaltensvorgaben standen auf dem Plan, mit dem Ziel, dem unsicheren Hund durch Grenzen eine Orientierung und somit Sicherheit zu geben. Ängstliches Verhalten wurde komplett ignoriert.

Boris

Da Lernen nicht stattfinden kann, wenn ein Tier extrem ängstlich ist, erhielt Higgins in den ersten Trainingswochen zur Unterstützung eine chinesische Kräutermischung, die ihn gelassener werden ließ.

Durch das konsequente Verhalten seiner Besitzerin wurde Higgins zunehmend souveräner. Zeigte er beim Spaziergang sein Meideverhalten und versteckte sich im Gras, wurde sein Verhalten ignoriert. Er kam immer von alleine wieder zu seiner Besitzerin zurück.

Mittlerweile ist er abrufbar, wenn sich Fremde dem Grundstück nähern oder dran vorbeigehen. Besucher werden auch nicht mehr vereinnahmt.